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Hier finden sie das kulturpolitische Positionspapier des Bundesverbands Kulturarbeit in seiner derzeitigen Version, erarbeitet von den Mitgliedern des Verbandes im Jahr 2007 und diskutiert auf dem bka-Symposium im Frühjahr 2008 mit Vertretern des Kulturbüros der EKD, des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) sowie der Arbeitsgemeinschaft Evangelische Jugend (aej). Das Positionspapier versteht sich als nicht abgeschlossener Beitrag des bka zur gegenwärtigen Debatte um kulturelle Bildung im Kinder- und Jugendbereich. Für Anregungen sind wir dankbar.
1. Inhalte / Ziele
Der bka ist der Fachverband für kulturelle Bildung in der Evangelischen Jugend. Musik, Spiel, Theater, Medien und ästhetische Bildung sind seine Arbeitsfelder, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene seine Adressaten.
Der bka arbeitet genreübergreifend. as heißt, er bringt die unterschiedlichsten künstlerischen Ausdrucksformen in einen Zusammenhang und fördert gezielt entsprechende Projekte.
Junge Menschen sprachfähig und selbstbewusst zu machen, ihnen künstlerische und spielerische Ausdrucksformen zu eröffnen, sie dabei in ihrer Lebensgestaltung ernst zu nehmen – das sind die leitenden Gedanken hinter der Arbeit des bka.
Der bka versteht kulturelle Bildung als dialogischen Vorgang. Junge Menschen mit ihren unterschiedlichen Neigungen und Begabungen sind für den bka nicht nur Zielgruppe der Verbandsarbeit, sondern respektierte Gesprächspartner und Ideengeber.
Der Bildungsansatz des bka umfasst neben der Vermittlung einer Wissensbasis und solider Methodenkenntnis auch soziale, kulturelle, emotionale und religiöse Kompetenzen. Dieser Ansatz versteht sich als intra- und intergenerativer Beitrag zu Bemühungen um gesellschaftlichen Konsens, berücksichtigt gegenwärtige Milieuorientierungen und Ausdifferenzierungs- wie Integrationsprozesse.
Der bka garantiert durch seine Angebote Werteorientierung auf der Grundlage der biblischen Botschaft mit ihren grundlegenden Kriterien in überkonfessioneller Weite. Er fordert junge Menschen heraus, Visionen für ein gerechtes und zukunftsfähiges Leben zu entwickeln.
Der bka fördert bundesweite und genreübergreifende Projekte der kulturellen Jugendbildung. Er bietet eine Plattform für die Vernetzung unterschiedlichster kultureller Bildungsangebote seiner Mitglieder. Er ist Zentralstelle für fachliche Beratung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus allen Bereichen der kulturellen Jugendbildung und engagiert sich bei der Erstellung von Publikationen und Handreichungen für dieses Fachgebiet.
Der bka konzipiert und organisiert Fort- und Weiterbildung für Fachkräfte aus unterschiedlichsten Zusammenhängen, Neben- und Ehrenamtliche, Jugendliche und Erwachsene. Zum Beispiel qualifiziert der bka im Rahmen der Modulausbildung „Kulturelle Kompetenz und kreative Gestaltung“ zur Spiel- und Theatertrainerin bzw. zum Theatertrainer (www.kulturellekompetenz.de ). Der bka ist im Bereich der evangelischen Jugend Träger des „Kompetenznachweises Kultur“ (KNK, www.kompetenznachweiskultur.de ) und qualifiziert innerhalb seiner Zentralstellenfunktion Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Vergabe dieses Bildungspasses.
Der bka befördert den wissenschaftlichen Dialog und bringt sich in diesen selbst aktiv ein. Er veranstaltet Fachtagungen zu künstlerischen, kulturpädagogischen, theologischen und soziologischen Fragen. Er dokumentiert und diskutiert christliche Jugendkultur und bringt sie fachübergreifend ins Gespräch, z.B. durch das interdisziplinäre „Forum Popularmusik und Kirche“.
Der bka feiert den Wert künstlerischen Lebensausdrucks in vielfältiger Weise.
2. Ästhetische Bildung
Das Praxisfeld kirchlicher Kinder- und Jugendarbeit schafft jungen Menschen Gelegenheiten zur ästhetischen Bildung, um auch damit Lebenskompetenz herausbilden zu helfen. Zur ethischen Verantwortbarkeit des eigenen Handelns zählt auch die ästhetische Verantwortbarkeit der Lebensinszenierungen.
Die ästhetische Dimension des Lebens ist relevant für gelingendes Leben und für gelingendes Zusammenleben. sthetische Bildung ist daher ein zentrales Feld evangelischer Jugendbildungsarbeit, weil lebendiger Glaube sich immer in ästhetischen Dimensionen herausbildet, ausdrückt und weiterentwickelt.
Ästhetische Bildung beinhaltet Gelegenheiten zur Ausbildung sinnlicher Wahrnehmungsfähigkeit und zur Ausbildung eines eigenen Ausdrucks- und Gestaltungsrepertoires. Man kann nicht nicht ästhetisch kommunizieren. Somit ist ästhetische Bildung immer ein Beitrag zur Lebenskunst.
Ästhetische Kompetenz in einem weiten Horizont zu fördern, ist eine zentrale Aufgabe des bka. Unter ästhetischer Kompetenz ist die Fähigkeit zu verstehen, sich im Bereich ästhetischer Kommunikation, also Kunst, Kultur, Medien, auch Alltag, mit ästhetischen Phänomenen und Artefakten rezeptiv, produktiv und reflexiv auseinandersetzen zu können, d.h. sie lesen, verstehen, nutzen und gestalten zu können.“ (vgl. Koch 2003, Lexikon der Theaterpädagogik, S.12).
Rezeption, Produktion (kreatives Handeln, schöpferischer Ausdruck) und Reflexion sind die drei Aneignungs- und Entwicklungsformen von Kultur in allen Generationen/Altersgruppen. Diese hat der bka bei seinen Aktivitäten im Blick. Die Berührung mit den Künsten aller Disziplinen (und ihren Überschneidungsfeldern) will Wertschätzung, Respekt und Kritikfähigkeit fördern, zur Horizonterweiterung beitragen und den Eigenwert von Vielfalt und Verschiedenartigkeit erkennbar machen. Ästhetische Bildung ist Selbstbildung in einem weiten und bisweilen auch unübersichtlichen Impulsfeld.
Die Kultur und Lebenswelt junger Menschen ist der Ausgangspunkt für ästhetische Bildung, die Neugier ihre Antriebskraft. Resonanzbereitschaft und Resonanzfähigkeit sind nötige und entwickelbare Energiequelle.
Kirche sollte kulturellen Entwicklungen gegenüber aufgeschlossen sein, um sich in den kulturell geprägten Sound der Zeit einbringen zu können. Kulturelle Prozesse zeigen den Herzschlag der Jetztzeit auf und tragen die geistliche Sehnsucht dieser Gegenwart ins sich. Der bka nimmt diese Impulse in seine Arbeit auf und greift gestaltend in kulturelle Prozesse ein.
Der bka ermutigt dazu, kirchliche Räume als spirituelle Orte für Kinder und Jugendliche zu öffnen. Auf diese Weise kann Tradition lebendig ergänzt und bereichert werden, sind Kirchen als Schutz- und Reibungsorte auch für experimentelle Ausdrucks- und Feierformen des Glaubens für Menschen innerhalb und außerhalb kirchlicher Bindung und Struktur erlebbar.
3. Kirche und Politik
Der bka ermöglicht als freier Träger der Jugendhilfe die ganzheitliche Entwicklung der Persönlichkeit von Kindern und Jugendlichen. Dies geschieht durch Angebote, die sich direkt an Kinder und Jugendliche richten und diese partizipativ einbeziehen sowie durch Schulung von Multiplikatoren und Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe.
Unseren Aktivitäten liegt der Bezug auf das christliche Menschenbild - nachdem jedem Menschen als ebenbildliches Geschöpf Gottes seine Einzigartigkeit und unantastbare Würde garantiert wird - zu Grunde. Diese Rahmung ermöglicht uns nicht nur einen besonderen Zugang zu Jugendlichen, sondern vermittelt auch zwischen Anforderungen der Gesellschaft hinsichtlich ethischer Grundlagen und dem durch die Kirchen repräsentierten christlich-ethischen Wertekanon im europäischen Kontext.
Im Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation entwickeln wir Modelle von Jugendarbeit, die Kontinuität gewährleisten und gleichzeitig flexibel auf aktuelle Anforderungen der Politik reagieren können.
Persönlichkeitsbildung von Jugendlichen bedeutet für uns integrative Arbeit: Junge Menschen werden in ihren Lebensbezügen wahr und ernst genommen. Dabei fördern wir mit unseren Projekten sowohl eflektierte Individualität als auch deren Einbindung in biographische Settings und religiös wie kulturell estimmte Lebenswelten (z.B. Jugendliche mit Migrationshintergrund und jugendkulturelle Akteure).
Jugendliche lernen bei uns spielend, demokratische Regeln zu respektieren und diese mitzugestalten. Daneben erhalten sie Freiräume zur kreativen Erarbeitung eigener Regeln und der damit verbundenen Übernahme von Verantwortung für eigenes Handeln.
Die Arbeit des bka st milieuübergreifend und inklusiv ausgerichtet. Ein besonderes Anliegen ist es uns, Begegnungen von Jugendlichen aus allen gesellschaftlichen Bereichen zu ermöglichen und damit zu gegenseitigem Respekt und vorurteilslosem sozialen Miteinander beizutragen. Wir integrieren Jugendliche sozialer Randgruppen ebenso wie Angehörige religiöser und ethnischer Minderheiten.
Wir machen ehren- und hauptamtliche Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe fit für die täglichen Anforderungen im konkreten Arbeitsfeld durch Aus- und Weiterbildung, Vernetzung und fachlichen Austausch. Damit gelingt es, zentrale fachliche Qualitätskriterien für evangelische Jugendkulturarbeit zu gewährleisten und diese an der Basis fruchtbar zu machen. Gleichzeitig erhalten wir dadurch wichtige Impulse von der Basis für die Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe.
Die spezifische Qualität unserer Arbeit ist durch den Bezug unserer Angebote zu Glaubens-, Sinn- und Lebensfragen gekennzeichnet. Damit vermeiden wir nicht nur Beliebigkeit, sondern schaffen persönlichen Mehrwert für die beteiligten Kinder und Jugendliche.
Auf dieser Basis versteht sich der bka als profilierter Interessenträger im bundesweiten verbandlichen Kontext. Durch die einmalige Einbindung vom einzelnen Jugendlichen über den qualifizierten Mitarbeiter vor Ort, überregional tätigen Institutionen bis hin zur bundesweit agierender Interessenvertretung evangelischer Kulturarbeit gelingt es uns, kirchliche und politische Öffentlichkeit für Kinder und Jugendliche zu sensibilisieren.
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